Exkursion zum
Ort der Information - Holocaust Mahnmal
Geschichte = ge-/erlebte Geschichte(n)
Alle zehnten Klassen unserer Schule besuchen im Rahmen einer Kooperation mit der Stiftung
Denkmal für die ermordeten Juden Europas das Holocaust Mahnmal.
Für uns- die Klasse 10 f - war es am 31.10.2011 soweit.
8.30 Uhr - nach dem Gang durch das noch menschenleere und dadurch besonders eindrucksvolle
und einschüchternde Stelenfeld, betraten wir die unterirdischen Räume des Ortes der Information.
Hier empfingen uns Frau Bartels-Ehestädt, Lehrerin unserer Schule, die dort den Projekttag betreut,
und die Studentin Anna, die uns zunächst die Ausstellungsräume und den Medienraum zeigten, in
dem wir uns mit dem Leben von Zeitzeugen auseinandersetzen sollten. Hierzu erhielten wir zuerst
eine kurze Übersicht über die Personen, die sich dazu bereit erklärt hatten ihre Erfahrungen auf Videofilmen festzuhalten. Wir entschieden uns gruppenweise für jeweils einen Zeitzeugen.
Es folgen einige Gruppenergebnisse:
1. Hertha B. ist in Polen geboren worden und war ein Einzelkind. Sie hatte Religionsunterricht bei
Regina Jonas, der ersten Rabbinerin der Welt. Sie hatte eine Ausbildung zur Erzieherin im Jüdischen Kinderheim in Berlin gemacht. Danach ist sie nach Hohenwiese im heutigen Polen gezogen um dort
im jüdischen Kinderheim zu arbeiten. In der "Reichskristallnacht" (9. November 1938) wurde das Kinderheim überfallen. Sie zog wieder nach Berlin und besuchte einen Kurs zur Vorbereitung auf
die Auswanderung nach Haifa. Dann traf sie ihren späteren Ehemann. Ihre Eltern waren gegen die Auswanderung, da sie glaubten, es sei nur eine vorübergehende Zeit der Nationalsozialisten.
Trotzdem wanderte sie mit ihrem Mann nach Haifa aus. In Haifa wurde sie gefangen genommen
und in ein britisches Gefangenenlager gebracht, konnte aber nach einiger Zeit fliehen.
Haifa war
ihre neue Heimat, doch dann musste sie wieder nach Berlin, weil ihr Ehemann schwer erkrankt
war und sie hier medizinische Versorgung bekamen. Hertha B. starb im Dezember 2009.
2. Jacques S. ist in Griechenland -Saloniki- geboren, seine Eltern kamen aus der Türkei und
waren jüdisch. Als die SS in Griechenland eingedrungen ist, versprachen sie Arbeit in Auschwitz.
Jaques S. dachte daher, wenn er die Fahrkarten für seine Familie bezahlen würde, bekämen sie
dort Arbeit und seiner Familie würde es dadurch besser gehen. Im Zug war es sehr eng. Es gab
nur einen kleinen Lüftungsschacht, keine Toilette und keine Dusche. Es wurden nur einige Früchte
und etwas Wasser angeboten, aber das auch nur selten, um Geld zu sparen. Es waren bis zu 100 Personen in einem Waggon. Die Zugfahrt dauerte ca. 8-10 Tage. In Auschwitz mit seiner Familie angekommen wurden sie nach links und rechts eingeteilt, er nach rechts, seine Familie nach links. Jacques dachte sich nichts dabei, da seine Frau schwanger war und er glaubte, sie bekämen Hilfe.
Als ein Freund am ersten Tag im KZ mitteilte, dass die SS seine Familie bereits ermordet hätte,
antwortete er nur :"Du bist verrückt". Jacques konnte das nicht glauben und war verwirrt. Er
überlebte die Zeit im KZ, da er Geige spielen konnte und dies im Lagerorchester tun musste.
3. Sara W. wurde am 31.12.1929 in Bendzin (heutiges Polen) geboren. Dort ging sie von 1936
bis 1940 auf eine Privatschule. Ab 1941 kam sie in ein KZ. Dort musste sie in einer Textilfabrik
arbeiten. Sara W. wurde im Mai 1945 mit allen anderen Gefangenen von der Roten Armee befreit.
Als sie heraus kam, war sie voller Kopf- und Kleiderläuse. Sara W. bekam von einem russischen
Soldaten ein Kleid geschenkt. Zum ersten Mal fühlte sie sich hübsch und als Mädchen, da sie im
KZ nur Lagerkleidung tragen musste. Sara W. fuhr mit dem Zug 5 Tage nach Kantowic, wo sie
nach ihrer Mutter suchte. Der Vater war bereits verstorben, die Mutter hatte erneut geheiratet,
und zwar einen Freund des Vaters. Sara verließ die Mutter, da sie enttäuscht war und durch den
langen Aufenthalt im KZ auch keine gute Beziehung mehr zur Mutter hatte.
4. Edith F. wurde am 23.07.1920 in Prag geboren. Ihr Vater war Kaufmann und sie hatte eine
kleine Schwester. Da ihre Eltern selten zu Hause waren, übernahm die Tagesmutter oft die Rolle
der Eltern. Mit 15 Jahren, im Jahr 1936, lernte Edith ihren späteren Mann Vilém F. kennen.
1938 flüchtete sie mit Vilém und ihrer Mutter nach England, doch Vilém wurde an der holländischen Grenze festgehalten, da er keine Einreisegenehmigung für England hatte. Edith zwang daraufhin
ihren Vater Vilém zu helfen. Ihr Vater kaufte Vilém frei. In London arbeitete Edith in einer
Geburtsklinik. Später reisten sie von South Hampton mit einem Kreuzfahrtschiff nach Rio de Janeiro.
Im Jahr 1941 heirateten Edith und Vilém in Sao Paulo und bekamen drei Kinder. Ihr Mann arbeitete
als Professor an der Universität und wurde ein berühmter Philosoph.
5. Norbert S. wurde am 18.03.1923 in Rumänien geboren und wohnte später mit seiner Schwester
und seinen Eltern in Polen. Von 1925-1933 lebten sie jedoch in Petrova. Er besuchte ein
Gymnasium in Großwardein. Dann musste er aber die Schule wechseln, in der Zeit bekam der
Vater die Zwangspensionierung auf Grund eines antijüdischen Gesetzes. Am 24.5.1944 kamen
sie ins KZ Außenlager in Tröglitz. Der Vater musste als Lagerarzt arbeiten und Norbert S. musste
schwere Arbeit leisten, weil er muskulös und groß war. Die beiden hatten oft Diskussionen darüber,
dass der Vater seine ethisch-moralischen Begriffe seines Berufes nicht mit der Arbeit als Lagerarzt vereinen könne. Die Mutter und die Schwester starben im KZ. Der Vater wurde im September 1944
im KZ Buchenwald vergast. Norbert S. wurde am 8.5.1945 von der Roten Armee befreit. Er suchte
später immer noch nach Überlebenden seiner Familie, fand aber niemanden mehr.
6. Willi F. wurde am 27.03.1923 geboren. Er wuchs in einer katholischen Familie auf. Als Sohn einer nicht-jüdischen Mutter und einem zum Christentum konvertierten Vater war Willi F. kein Jude. Eines Tages wurde ein Transport nach Auschwitz angekündigt, unter dem er sich nichts vorstellen konnte.
Dort angekommen wurden die Gefangenen von der SS mit Schlägen zum Haupttor gejagt. Von den
ca. 115 Leuten kamen nur 10 am Haupttor an. Bei der Aufnahmeprozedur in dem Lager wurden die
Leute von Kopf bis Fuß rasiert, gewaschen und mit viel zu kleiner Kleidung eingekleidet.
Willi F. konnte sich noch gut an einen Wiener Komponisten erinnern, da dieser Tag das Lied vom
kleinen Zigeuner sang, das von Freiheit handelte. Dieser wurde später erschossen, weil er die
Schikanen im Lager nicht aushielt. Die Mutter von Willi F. spielte eine besondere Rolle in seinem
Leben, denn sie half ihm mit ihren Briefen die Gefangenschaft zu überstehen und zu überleben. Im Dezember 2009 verstarb Willi F. im Alter von 86 Jahren.
Einen nachhaltigen Eindruck vermittelten uns noch die vier Ausstellungsräume, in denen z.B. Familienschicksale oder die Namen der Opfer präsentiert werden. Zwei Räume zeigen Opferzahlen
und Orte.
Die Architektur dieser Räume ist beeindruckend, da sie die Form der oberirdischen Stelen, die für
uns wie Grabmale aussehen, aufgreift.
Diese sog. "Oral History" war für uns besonders faszinierend und ergreifend, weil es uns emotional
mehr angesprochen hat als der übliche Geschichtsunterricht nach Schulbüchern. Daher empfanden
wir großen Respekt für die Zeitzeugen, die bereit waren, trotz schmerzlicher Erinnerungen und
teilweise auch Schamgefühlen über ihre Erlebnisse zu berichten. Diese Berichte empfinden wir als besonders wertvoll, da es die letzte Generation ist, die aus eigenem Erleben etwas erzählen kann.
Dieses „freie‟ Lernen an einem anderen Ort hat uns Spaß gemacht und wir würden es allen
Schülern empfehlen.
Klasse 10f.



Aktuelles:
Anmeldung für den Oberschulbereich an der 7. Integrierten Sekundarschule:
08. - 22. Februar 2012
täglich von 7:30 - 15:00 Uhr
Nach telefonischer Absprache sind auch Zeiten außerhalb der normalen Schulzeit möglich.
Bitte unbedingt mitbringen:
- anzumeldendes Kind
- letztes Zeugnis der Grundschule
- Original-Anmeldeformular
- Förderprognose der Grundschule